Juli 2011

 

 

Auf der Suche nach zeitlich begrenzter Beschäftigung und der Möglichkeit zu mehr persönlichem Kontakt zu den Menschen hier bin ich im Internet schnell fündig geworden: Freiwillige oder Ehrenamtliche sind vielerorts gern gesehen, in sozialen Bereichen oder auch für besondere Veranstaltungen oftmals unerlässlich.  

 

Meine Erfahrungen 2010 als volunteer bei einem Sportevent im August und einer einwöchigen kulturellen Veranstaltung im November haben Lust auf mehr gemacht.

 

Die website www.volunteeringwa.org.au vermittelt zwischen Suchenden und dem breiten Betätigungs-spektrum. Hier fand ich auch meinen volunteer job bei dem kommunalen Fernsehsender W-TV (West Television) in Perth. Das Zusammenstellen der nächtlichen Programmfolge und die Platzierung von Werbeclips geben mir mittlerweile kleine Einblicke in die Arbeit eines TV-Programmgestalters und hinter die Kulissen des Senders.

 

Bei einem Radiosender mitzuwirken, der Zeitungsartikel durch volunteers lesen lässt, um sie dann zu senden, bin ich leider nicht zum Zuge gekommen. Meine Aussprache ist den Verantwortlichen nicht akzentuiert genug, da viele Hörer meist nicht nur Leseschwächen, sondern auch andere handicaps haben, die eine besonders deutliche Aussprache des Vorlesers erfordern. Schade, es wäre eine echte Herausforderung gewesen und eine Aufgabe, die ich sehr gerne gemacht und dabei viel hätte lernen können.

 

Voluntourism ist eine Wortschöpfung, die den Touristen beschreibt, der während seines Urlaubs freiwillig und ehrenamtlich arbeitet. Biosphere-Expeditions bietet zum Beispiel weltweit Projekte an – zwei davon in Deutschland (Nationalpark Eifel und Berchtesgaden) - in Westaustralien dieses außergewöhnliche(Urlaubs-) Erlebnis:  

 

“This voluntourism project will take you to the strikingly beautiful coastline of Western Australia to conduct a survey of iconic Australian flatback turtles. You will measure and tag turtles, as well as observe and record data about their nesting behaviour. You will also help to collect DNA samples. This is a very hands-on project working from a remote but very comfortable and modern beach resort with the aim of determining flatback turtlenesting numbers and how far dispersed this genetic population is along the seashore of Western Australia.”  

(Quelle: www.biosphere-expeditions.org)

 

 

The Men’s Shed …. or …Three Things to be Happy

Vereinsamung, Depression und Alkoholmissbrauch im Alter ist auch in Australien ein Thema, das die Gesellschaft mit immer wieder neuen Ideen zu lösen versucht.  

 

Act-Belong-Commit ist in diesem Zusammenhang ein knackiger Werbeslogan zur Verbesserg der eigenen Gesundheit durch mehr Engagement: Keeping mentally healthy is just as important as staying physically healthy and it’s as easy as: A-B-C.

 

Ein weiterer Ansatz ist: The Men’s Shed – ein Schuppen, in dem blokes (australisch für: Männer) nach Herzenslust werkeln können. Es treffen sich überwiegend Rentner, die hier schrauben, hämmern, malern, dübeln, sägen, drechseln und dabei ganz sicher auch die Gelegenheit für einen Gedankenaustausch unter Geschlechtsgenossen suchen und finden. Mates (australisch für: Kumpel) so sagt man, reden nicht gerne, schon gar nicht über Gefühle, Krankheiten, Probleme, sondern sie ziehen eine Aktivität unter Gleichgesinnten shoulder-to-shoulder jedem Gespräch eye-to-eye vor.  

 

Vor etwa 20 Jahren gab es erste Ansätze für die Etablierung von men’s sheds. Über 500 gibt es inzwischen landesweit – mit immer noch steigendender Tendenz, so dass hierzulande von einer shed revolution zu lesen ist. Kanada, Irland und England haben sich das Konzept dieses Erfolgsmodells bereits abgeguckt.  

 

2009 fand die erste Westaustralische Men’s Shed Conference in Mukinbudin statt. Was in deutschen Ohren nach ‚Mukki-Bude‘, also Kraftraum, klingt ist der Name einer kleinen, sehr ländlich gelegenen Ortschaft in West Australien, irgendwie aber doch passend für die tatkräftigen, organisierten Bastler. Auch in Perth haben einzelne Stadtteile Werkstatt-Schuppen eingerichtet, um Männer aus ihrer Isolation herauszuholen. Zwar erhalten Men’s Sheds öffentliche Gelder, leben jedoch weitest-gehend vom Engagement Ehrenamtlicher - und die kommen aus allen Gesellschaftsschichten.  

 

Willkommen ist man hier auch, wenn man ‚nur‘ Gesellschaft sucht. Der 92-jährige Rodger schaute regelmäßig auf einen Kaffee vorbei (‚to have a cuppa‘), bis er plötzlich wegblieb. Die besorgte Nachfrage unter den Kumpeln aber ergab, dass er sich inzwischen eine Freundin zugelegt hätte!  

 

Human beings need three things to be happy: something to do, someone to love and something to look forward to”.


Vier haben allen Grund, happy zu sein: Mit Ulli und Werner geht es nächste Woche gemeinsam auf Tour durch Westaustralien, entlang der Küste nach Norden. Davon bald mehr …

    

 

Liebe Grüße

Biggi ... und die anderen drei   

 
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